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Karl Wolff: Roter Milan

Karl Wolff: Roter Milan
  • Karl Wolff
  • Roter Milan
  • Saturnische Gedichte
  •  
  • 96 Seiten. Broschur
  • 11,- Euro
  • ISBN 978-3-924944-74-2 (2006)
  • Das neue Werk des Dichters Karl Wolff hat eine tragische Konstante menschlicher Erfahrung - Trauer und Melancholie - zum Thema. Die Gedichte sind als Zyklus angelegt, in dem alle Texte miteinander korrespondieren und wie in der Musik durch Leitmotive verbunden sind. Wolff unternimmt das Wagnis, das noch immer weithin tabuisierte und unverstandene Leiden am Leben selbst zu thematisieren und es sprachlich so zu gestalten, daß der Leser zum verstehenden und empathischen Gesprächspartner in dieser existentiellen Grenzsituation werden kann, in der es lebensnotwendig ist, einen Gesprächspartner zu finden oder einer zu sein. Sein Lernziel heißt Leben, Verwandlung der saturnischen Schwere in ein “ozeanisches” Lebensgefühl, in ein all-tägliches Leben. Der Einstieg in die Tiefenstruktur der Gedichte und der sich ständig wandelnden Aspekte des Themas wird dem Leser durch eine schnörkellose Sprache erleichtert, die zugleich sensibel und intensiv die komplexe expressive Skala der Emotionen evoziert. Statt des sentimentalen Genusses der Schwermut vermittelt Wolff lakonische Distanz wie hautnahe Wärme und setzt nachdenkliche, traurige, verzweifelte, heitere, komische und ironische Akzente. Wie in seinen vorangegangenen Büchern “Taomina” (2001) und “ex oriente luxus“ (2003) verbindet er die polaren Extreme der Ungesichertheit und Geborgenheit in eines, stellt sich mit Mut und Demut der Widersprüchlichkeit, der Endlichkeit und Sterblichkeit. Diesen Mut möchte er weitergeben. Aus persönlicher Erfahrung “der Krankheit zum Tod” erneuert er sein leidenschaftliches Bekenntnis zur transitorischen “Schönheit und Pracht des Realen”, erneuert und vertieft er seine Liebeserklärung an Menschen und an das Leben.

  • Karl Wolff wurde 1943 in Schwarzengrund/Schlesien geboren. Nach Kindheit und Jugend in Thüringen verließ er 1961 die DDR. Studium der Slawistik, Germanistik und Philosophie in Marburg und Tübingen. Von 1975 bis 1995 arbeitete er als Lehrer am Städtischen Gymnasium in Ahlen. Seit 1974 lebt er in Münster. Wolff schreibt Lyrik und übersetzt russische Lyrik und Prosa. Bisher 4 Buchveröffentlichungen.

  • Textprobe:

    Landnahme

    Das Meer riecht nach Melancholie
    der Sirenen, an die niemand mehr glaubt.
    Vergeblich ihr Wiegen,
    ihr blauer Lockruf
    in salziger Monotonie.

    Die Wassertrauerspiele,
    festlich und groß,
    versunken wie Traum und Geheimnis,
    Entsetzen und Pracht.

    Robinson nickt,
    wenn Odysseus, selten genug,
    von früher erzählt.

    Über das Meer
    ist Stille gekommen.
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